Die große Schwester

Es war nicht geplant…Im Sommer 2013 entdeckte ich durch Zufall im Internet eine Elan 38, Baujahr 1994. Den Kaufpreis hielt ich für einen Druckfehler…so günstig?? Das machte uns neugierig und da wir sowieso an dem Liegeplatz in Kroatien vorbei mußten, schauten wir uns das Schiff an. Schnell stellten wir fest, daß das Schiff technisch und optisch überholungsbedürftig war. Die Substanz aber gut war. Wir gaben unser Angebot an den Besitzer und einigten uns schnell. Nun hatten wir ein großes Segelschiff für kleines Geld, aber jede Menge Arbeit auf den Schultern. Wir freuten uns darauf.

In Pula unternehmen wir unsere erste Testfahrt. Ist alles dicht? Dringt Wasser ein? Meine Eltern sind mit an Bord und somit ein alter Seebär mit Erfahrung. Mein Oldy, mein Vater hat seinen „Dampfer“ 1970 bis 1974 selber gebaut. Ein zehn Meter langes Motorboot mit zwei Maschinen. Damit hat er uns Kindern  unvergessliche Sommerferien ermöglicht. Seine Meinung über unsere Elan: Schiff ok!! Super 🙂 wir freuen uns!! Da macht es Peng…der Segelhals ist ausgerissen…auch die Segel sind in die Jahre gekommen.Wir kehren um.

 

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Die erste Testfahrt – der „Alte“ am Ruder. Meine Eltern fahren mit 🙂

Am nächsten Tag starten wir die Überführung der Elan nach Italien. Meine Eltern bleiben an Land, segeln können wir nicht, da 1. Vorsegel kaputt und 2. der Wind kommt von vorne. Damit wir uns in Kroatien nicht noch ein teures Permit kaufen müssen, fahren wir durch bis Portoroz in Slowenien. Unterwegs setzen wir das Großsegel. Nur mit viel Öl bekommen wir es überhaupt aus dem Mast. Alles klemmt und quietscht, die Schoten sind steif und brüchig. Sehr lange war unsere alte Dame im Dornröschenschlaf. Und doch sind wir glücklich. Das Schiff läuft gut und vermittelt uns ein sicheres Gefühl. Alles andere läßt sich richten, wir sind nicht arbeitsscheu 🙂

So langsam sollten wir uns jetzt auf einen Namen einigen…wir überlegen nicht lange. Klar!! GRETCHEN…was sonst. Und da sie Nummer 2 ist und 2 langweilig ist, das Ganze auf italienisch: DUE 🙂

Warum eigentlich GRETCHEN? – Unsere Kinder waren noch sehr klein. 5 – 6 und 8. Wir waren unterwegs mit einem Charterschiff auf der Ostsee, als es im Maschinenraum plötzlich brannte! Hajo konnte löschen, doch die gesamte Elektronik war ausgefallen. Nur unter Segeln konnten wir in den Hafen fahren. Alles ging gut, doch die Beine zitterten. Wir bekamen ein Ersatzschiff, das uns das Vertrauen wiederbrachte…es hieß Gretchen!

Also mit Gretchen Due in Portoroz treffen wir auch meine Eltern wieder und lassen hier das kaputte Segel reparieren. Dann geht es weiter, diesmal mit voller Besegelung Richtung künftigen Heimathafen Monfalcone in Italien. Hier wird Gretchen am 22.09.2013 aus dem Wasser gehoben und an Land geparkt. Die Schönheitskur kann beginnen…

Diese Kabine ist als erste fertig, da mein Vater dort im November zwei Wochen wohnen muß. Wir schlafen, kochen und essen auf unserem ersten Schiff, Gretchen, eine 7,50 m lange Jeanneau. In diesen zwei Wochen schaffen wir sehr viel. Das gesamte Schiff wird gesäubert, außen wie innen, wir reißen alte Wandverkleidungen runter, schmeißen die alten Toiletten raus usw. Mein Vater kümmert sich um die Bordelektrik und anderen Kram. Hajo holt gefühlte tausend alte Farbschichten vom Rumpf und malt alles neu wieder drauf. Ich putze, klebe neue Teppiche und Tapeten, nähe Gardinen usw. Voller elan arbeiten wir an unserer Elan 🙂

Die zwei Wochen sind schnell vorbei, doch wir haben schon viel geschafft. Ab jetzt fahren wir so oft es unsere Arbeit zuläßt nach Monfalcone und werkeln an unserem Schiff. Gleich nach Weihnachten, am 28.12.2013 kommt Gretchen Due wieder ins Wasser und dann lernen sich die beiden „Schwestern“ kennen… 🙂    Wir legen beide Schiffe nebeneinander, damit wir es einfacher haben mit dem Umzug. Das kleine Gretchen, die Jeanneau, hat schon seit längerer Zeit ein Schild am Popo…vendesi…zu verkaufen…

Wir freuen uns sehr auf die „große“ und sind doch sehr traurig, die „kleine“ aufgeben zu müssen…doch alles kommt anders…

Da sich mit dem Verkauf nichts tut, fahren wir die Jeanneau nach Hamburg – in einer Nacht und Nebel Aktion, da wir für Italien und Slowenien keine Überbreitengenehmigung haben. Alles geht gut – bis Kassel. Dort versagt unser VW-Bus den Dienst! Der ADAC muß helfen! Doch ein Ersatzfahrzeug, das ein Schiff ziehen kann, ist nicht gleich zur Verfügung. So verbringen wir die Nacht, übrigens Hajo´s Geburtstag, auf der Autobahn im eiskalten Schiff ohne Polster und Heizung… 😦   Wir überleben und können am nächsten Tag mit dem Ersatzfahrzeug vom ADAC nach Hamburg weiterfahren. Dort legen wir das Schiff auf das Gelände des SKCN, einem Segelverein, indem wir schon lange Mitglieder sind.

Es dauert nicht lange, da haben wir zwei Käufer…!!!  Doch inzwischen ist in uns ein Traum gewachsen… siehe  http://www.hkqgretchen.com  …und wir verkaufen nicht!!!

Die „große“ bauen wir in 2014 weiter aus und fahren im August drei Wochen zu den Kroatischen Inseln. Ständig sind wir am reparieren, austauschen, erneuern, selber machen, erfinden und verschönern. Die Elan wird immer besser und gemütlicher und trotzdem läßt uns unser Traum nicht mehr los! Am 01.02.2015 unternehmen wir die letzte Fahrt und parken sie dann wieder an Land. Für über sechs Monate lassen wir sie allein…

Am 20.10.2015 schwimmt sie wieder in der Adria und wir genießen zwei herrliche Wochen mit unserer Tochter an Bord. Danach wieder nur „Arbeitsbesuche“. Hajo baut eine Heizung ein, verlegt neue Wasserschläuche, warmes Wasser zur Außendusche, Steckdosen an meine Wunschorte usw. Ich nähe Planen, um das ganze Schiff vor Sonne und Regen zu schützen, schleife Holz und lackiere usw.

Seit 08. Mai 2016 sind wir nun an Bord und warten auf gutes Wetter, um drei Monate mit unserem Gretchen Due und unserer Schäferhündin Queeny die Adria zu erkunden… 🙂

 

 

 

 

 

 

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